Vorarlbergs stille Klasse
Herausragende Plätze, stilvolle Hotels und exzellente Kulinarik machen Vorarlberg zum nahen Hideaway für anspruchsvolle Golfer – ruhig, angenehm und zu Unrecht unterschätzt.
Manchmal braucht es keinen Flug ans andere Ende der Welt, um das Gefühl von Freiheit neu zu entdecken – oft genügt schon eine knapp zweistündige Fahrt von Zürich. Und mitunter erweist es sich sogar als ein Segen, wenn sich Termine überschlagen und eine Reise plötzlich später stattfindet als ursprünglich geplant. Denn so kann es passieren, dass man nach einem langen Winter voller Sehnsucht nach Sonne, genussvollen Stunden im Freien und dem ebenso dringenden Bedürfnis nach kulinarischem Verwöhnprogramm bei perfekten Bedingungen im Vorarlberg landet. Und sich zwischen Bergkulisse, Abschlag und Sundowner unweigerlich fragt:
Warum wollte ich die Golfsaison 2026 nochmal früher und weiter entfernt einläuten, wenn das Gute so nah liegt?


«Grüess di’, und rede doch bitte Schwyzerdütsch mit uns», heisst es schon bei der Ankunft im Hotel Traube Braz im Klostertal. Nach der herzlichen Begrüssung erinnert Patron Christoph Lorünser daran, warum Vorarlberg im Volksmund als «Kanton Übrig» bezeichnet wird. Der Ursprung dieses Spitznamens reicht in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück: Rund 80 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung stimmten damals für einen Anschluss an die Schweiz. Zwar scheiterte der Versuch, doch emotional bleibt die Nähe zur Schweiz spürbar.
Das 4-Sterne-Hotel, bereits in sechster Generation in Familienbesitz, verbindet auf gelungene Weise Tradition und Moderne. Die aussergewöhnliche Gastfreundschaft hat hier seit dem 19. Jahrhundert Bestand, und in den historischen Bauernstuben werden köstliche Spezialitäten serviert. Besonders beeindruckend ist der lichtdurchflutete Wellnessbereich, ein Atrium-Spa mit Hallenbad und kombiniertem Aussenbecken, weitläufiger Saunalandschaft und Beauty-Abteilung – ideal zur Erholung nach der Runde auf dem hoteleigenen Golfplatz.

Traube Braz Alpen.Spa.Golf.Hotel
Im nur drei Minuten entfernten Golfclub Bludenz-Braz wird man wie ein lang erwarteter Gast empfangen, und auch das Wetter zeigt sich an diesem Tag freundlich. Nachdem sein Vater 1996 die ersten neun Löcher angelegt hatte, erweiterte Christoph Lorünser die Anlage später auf 18 Löcher. Von Mitgliedern ist zu hören, dass dank der sonnigen Lage bereits im Februar häufig auf Sommergreens gespielt wird.
Das Golfspiel in dieser beinahe kitschig schönen Kulisse ist ein Erlebnis für sich. Auf dem voralpinen Gelände führt die Runde etappenweise bergauf – vorbei an Heuschobern, kleinen Bächen und Alphütten, durch lichte Wälder und entlang markanter Felswände. Präzise Schläge und eine durchdachte Strategie zahlen sich auf diesem sportlich anspruchsvollen Platz aus. Ein guter Tipp ist, den Driver auch mal im Bag zu lassen – insbesondere am Signature Hole 11, wo sich nicht nur ein spektakulärer Blick über das Klostertal eröffnet, sondern der Ball gerne mal tief ins Gelände gerät. Ein anschliessender Sundowner auf der Panorama-Terrasse gehört hier praktisch zum Pflichtprogramm.
Winken gehört zur Spielkultur
Ein besonderes Highlight ist Bahn 3, wo vom erhöhten Abschlag über einen Teich gespielt wird – stets begleitet vom eindrucksvollen Bergpanorama im Hintergrund. Übrigens: Loch 8 ist mit 542 Metern das längste Par 5 in Westösterreich. Charakteristisch für den Platz ist nicht zuletzt eine ungewöhnliche Spielkultur, bei der viel gewunken wird. Zunächst hält man es für Freundlichkeit, tatsächlich hat es aber System: Da sich einige Bahnen nahekommen, ist das Winken Teil der Platzetikette und bedeutet: «Ich habe dich gesehen – du kannst spielen.»
Ein Tipp für den Frühling, von einem Mitglied weitergegeben: Vormittags Skifahren und am Nachmittag neun Löcher Golf spielen – ein Kontrast, der hier fast schon zur Normalität gehört.
Die nächste Übernachtung führt ins Hotel Krone im Bregenzerwald, ein Haus mit Legendenstatus, das den Dorfplatz in Hittisau seit 1938 prägt. Empfangen wird man herzlich von Dietmar Nussbaumer-Natter, der das traditionsreiche Familienhotel gemeinsam mit seiner Frau Helene bereits in dritter Generation führt und es mit viel Feingefühl und regionalem Holz aus dem Bregenzerwald behutsam in die Gegenwart weiterentwickelt hat.
Die Zimmer und Gaststuben verbinden Alt und Neu auf harmonische Weise – ebenso wie die in den Kronengarten integrierte Sauna, die wie eine moderne Interpretation einer romantischen Gartenlaube wirkt. Die Küche bildet das Herzstück des Hauses. Michael Garcia-Lopez kocht mediterran inspiriert, leicht, frisch und konsequent mit hochwertigen, regionalen Produkten. Die Krone ist zudem Mitglied von Slow Food und wurde über Jahre hinweg in verschiedenen Guides wie Falstaff, À la Carte und mit dem MICHELIN Bib Gourmand ausgezeichnet. Eine besondere Empfehlung: Gemeinsam mit dem Kronenwirt die hauseigene Schatz- und Wunderkammer des Weins entdecken und bei einem guten Gespräch ein Glas im Kaminzimmer geniessen.
Vorsicht vor aufmüpfigen Schwänen
Die geradlinigen Bahnen 4 bis 9 sind sanft modelliert und führen vorbei an zahlreichen Obstbäumen. Die grosszügigen, ondulierten Greens sind anspruchsvoll zu lesen und verlangen präzises Putten. Die älteren Bahnen 10 bis 18 sind geprägt von Wasserhindernissen und Bachläufen, in denen sich zahlreiche Wasservögel – darunter auch ein Schwanenpaar – angesiedelt haben. Im Sekretariat wird augenzwinkernd gewarnt: Die Schwäne greifen gelegentlich Carts ohne Golfbag an. Offenbar erinnern sie sich noch daran, dass der Bestand früher von Greenkeepern in Carts durch das Austauschen von Eiern reguliert wurde.
Nach einer rundum gelungenen Runde – in zügigem Tempo in etwa viereinhalb Stunden spielbar – lässt sich der Tag auf der Panorama-Sonnenterrasse bei einem wohlverdienten Drink ausklingen.



ALPINE VIELFALT MIT CHARAKTER
Vorarlbergs Golfangebot erschöpft sich längst nicht in diesen Plätzen. Wer im späteren Frühjahr reist, entdeckt weitere attraktive Anlagen, die aufgrund ihrer Höhenlage verzögert in die Saison starten. So etwa den Golfplatz Lech im Zugertal, der als höchstgelegener Golfplatz Österreichs gilt. Die 9-Loch-Anlage schlängelt sich angenehm flach entlang beider Lechufer und eröffnet bereits vom ersten Abschlag an ein beeindruckendes Bergpanorama – kein Wunder, wurde der Platz von «Golf in Austria» schon zum «Platz des Jahres» ausgezeichnet. Ein besonderes Highlight ist der Apéro auf der Sonnenterrasse des Clubhauses, dem «Wirtshaus am Golfplatz», mit weitem Blick über Greens und Gipfel.
Eine weitere Empfehlung ist der Golfclub Brand im Brandnertal. Der 18-Loch-Platz entfaltet seinen Reiz inmitten einer ruhig gelegenen, alpinen Bilderbuchlandschaft, die sofort entschleunigt. Die abwechslungsreichen Spielbahnen mit flachen Fairways führen entlang des idyllischen Alvierbachs, der mehrfach überquert wird, und vorbei an alten Steinwällen, Alphütten und gewachsenem Baumbestand. Gerade im Hochsommer sorgt die Lage für angenehm frische Temperaturen – der nahe Brandner Gletscher auf fast 3’000 Metern trägt seinen Teil dazu bei. Ein Tipp: Die neuen Premium-Golfcarts mit GPS nutzen und die Runde entspannt geniessen.








